Es gibt Tage, die man sich nicht besser wünschen könnte. Der 21. Juni 2025 war so einer. Gegen 8:00 Uhr morgens geht der Anker auf, der Himmel über Prerow strahlt in einem makellosen Blau, nur ein paar kleine Schäfchenwolken treiben gemächlich dahin. Fast so, als hätte die Sonne an ihrem längsten Tag des Jahres beschlossen, sich von ihrer besten Seite zu zeigen.Bei 6 Knoten aus West läuft zunächst der Motor – ruhig, gleichmäßig. Doch gegen 8:40 Uhr ist es dann soweit: Die Segel gehen hoch. 19 Grad, leichte Brise, der Motor verstummt. Nur noch Wind, Wasser und Horizont.
Was folgt, sind gut sechs Stunden seglerisches Glück. Die Ostsee zeigt sich von ihrer sanften Seite – kein Grund zur Eile, kein Grund zur Sorge. Man lehnt sich zurück und lässt die Gedanken treiben, so wie das Boot selbst.

Unterwegs eine Premiere – ein Windpark mitten auf der Route. Bei dieser Wetterlage dürfte man ihn direkt durchfahren – und so setzen wir unseren Kurs um den Windpark an der rechten Seite zu durchfahren. Die riesigen Rotoren drehen sich träge, fast lautlos. Ein Bild, das bleibt.
Kurz darauf die nächste Aufgabe: die Querung eines Fahrwassers. Slalom zwischen den großen Pötten – Frachter und Tanker, die gemächlich ihre Bahnen ziehen, während wir uns mit unserem Segelboot aufmerksam den Weg durch die Lücken suchen. Groß gegen Klein. Man lernt schnell, dass Geduld und ein gutes Auge auf See keine schlechten Begleiter sind.
Um 14:15 Uhr erreichen wir Klintholm. Dänemark. Und damit gleich die erste kleine Lektion in dänischer Hafenpraxis: In der Einfahrt schneidet uns ein Einheimischer unter Motor von links, drängt uns beiseite – und tuckert dann mit stoischer Ruhe vor uns her in den Hafen. Kein Blick zurück, kein Zögern. Einfach so. Vorfahrtsregeln? Offenbar eine Frage der Interpretation. Tief durchatmen, Kurs halten, innerlich schmunzeln. Das Anlegen gelingt schließlich nach dem 2. Versuch – und bald liegt das Boot ruhig im Hafen.



Es ist Wolkenlos, 21 Grad und lädt zu einem Strandspaziergang ein – weißer Sand, kaum Menschen, die Luft duftet nach Salz und frischem Fisch. Bunte Häuschen säumen den Weg, ein bisschen touristisch zwar, aber mit dem richtigen Licht am späten Nachmittag hat auch das seinen Charme. In Schweden würde man jetzt Mittsommer feiern – Blumenkränze, Tanz um den Maibaum, das ganze Programm. Die Dänen hingegen halten sich mit der Sonnenwende zurück. Ihr großes Fest ist Sankt Hans, welches traditionell am Abend des 23. Juni gefeiert wird, mit Lagerfeuer an allen Küsten und das ganze Land ist auf den Beinen. Heute Abend – stille Feier auf unsere eigene Art. Und die beginnt am Steg, wo wir Brigitte und Joachim kennenlernen – zwei Segler von der Amadeus, eine Hanseat. Das Gespräch beginnt fast wie ein Witz: Zwei Boote, ein Hafen in Dänemark – und beide kommen aus Lübeck. Die Welt ist klein, die Ostsee manchmal noch kleiner. Den Abend beschließen wir bei uns an Bord mit einer Flasche rotem Italiener. Nicht ganz stilecht für einen dänischen Hafen, aber nach einem solchen Tag braucht man keine Ausrede für guten Wein. Wir reden über Boote, über Reisen, über die Strecken, die noch vor uns liegen. Am nächsten Morgen werden Brigitte und Joachim Richtung Simrishamn aufbrechen. Aber heute Nacht wird noch erzählt.