Nach drei Tagen Zwangspause war die Ungeduld greifbar. Am Morgen des 25. Juni war es soweit – wir würden es wagen.
Doch zuerst: das Ablegen. Bei Wind im Hafen ist das keine Kleinigkeit. Zum Glück hatten wir noch eine letzte Unterhaltung mit Ole – dem pensionierten Polizisten von der Frigg, benannt nach der Gemahlin Odins, Göttin der Weisheit. Ein passender Name für ein Boot, das seinen Skipper offenbar gut berät. Gemeinsam überlegten wir, wie man das Boot bei diesem Wind am besten dreht, welche Leinen wie zu setzen sind, um sicher aus dem Hafen zu kommen. Seemännische Erfahrung, kurz und praktisch ausgetauscht – so wie das unter Seglern funktioniert.
Dann der Abschied. Ein Handschlag, ein Nicken. Wer weiß, ob man sich wiedersieht – auf dem Wasser gilt: vielleicht, irgendwann, irgendwo. Leinen los….
Zunächst lief der Motor – die See zu unbeständig für die Segel. Um 11:30 Uhr dann die erste Chance: Fock raus, Motor aus. Böen bis 31 Knoten. Das Boot läuft, aber der Wind spielt nicht mit. Um 11:45 Uhr dreht er nach Nordost, die Welle baut sich auf – etwa ein Meter, klingt harmlos. Wäre es auch, wenn die Frequenz der Wellen nicht bei drei Sekunden läge. Kurze, steile Wellen, die das Boot mehr schütteln als tragen. Kein Drama, aber auch kein Vergnügen.
Der Wind bleibt unbeständig, launisch, unentschlossen. Um 13:00 Uhr Fock rein, Genua raus. Um 13:45 Uhr Genua wieder rein – zu viel Wind. Fock wieder raus. Um 13:50 Uhr muss der Motor zur Unterstützung her. So geht das den ganzen Tag: Segel raus, Segel rein, Motor an, Motor aus. Der Himmel bleibt dicht bewölkt, kein Sonnenstrahl, nur Wind und Welle.
Wer segelt, lernt Geduld. Und Flexibilität. Und manchmal auch, dass der Diesel keine Schande ist.


Um 18:15 Uhr taucht die Boje vor Brøndby auf. Malmö ist das eigentliche Ziel – aber heute zählt nur ein sicherer Platz für die Nacht, und der ist hier.
Für uns war es die erste Nacht an einer Boje – kein Steg, kein Hafen, nur das Boot, die Leine und das Wasser drumherum. Was dabei noch zu lernen war: Bojen fangen ist eine Kunst für sich. Andrea steuert das Boot mit einer Präzision, die jeden Hafenmeister beeindrucken würde – aber beim Fangen der Boje hat diesmal der Haken das letzte Wort. Aufgabenverteilung neu justiert, merken für nächstes Mal.
Das Boot liegt fest, die Boje hält, der Wind kann machen was er will. Eine ruhige Nacht. Mehr braucht es nicht….