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Etappe 11 – 16 Seemeilen weg vom Trubel

Etappe 11 – 16 Seemeilen weg vom Trubel

Freitag, 4. Juli 2025. Während sich Travemünde auf ein grosses Segelevent vorbereitet und die Stege sich langsam füllen, haben wir einen anderen Plan. Wir sind keine Freunde von Menschenmassen – und so fällt die Entscheidung schnell: Leinen los, Richtung Kühlungsborn.

Nur 16 Seemeilen trennen uns von unserem Ziel – und von einem Hafen, der uns schon zu Beginn unseres Trips positiv überrascht hat. Diesmal wollen wir nichts dem Zufall überlassen. Über Dockspot buchen wir vorab einen Liegeplatz: Ort wählen, Zeitraum festlegen, verfügbaren Platz auswählen, buchen – fertig. Die Digitalisierung hält auch in den Marinas Einzug. Praktisch – solange nicht jeder Hafen irgendwann seine eigene App verlangt.

Um 9:00 Uhr legen wir ab. Der Himmel ist bedeckt, die Welle liegt bei etwa 70 cm – kein Drama. Wir setzen die Genua. Es ist kein spektakulärer Segeltag, und das ist völlig in Ordnung. Manchmal ist eine ruhige, unkomplizierte Passage genau das, was man braucht.

Um 10:30 Uhr gesellt sich der Motor dazu. Der Wind hat beschlossen, genau aus der Richtung zu kommen, in die wir wollen. Wer segelt, kennt dieses Spiel. Wir lachen darüber, zünden den Motor und fahren weiter. Um 12:50 Uhr liegen wir fest. Entspannt, pünktlich, ohne Stress.

Der Nachmittag gehört dem Sortieren, ein paar dringenden Telefonaten und dem, was auf langen Törns manchmal zu kurz kommt: Freundschaften in der Heimat pflegen. Gegen 17:00 Uhr legt ein weiterer Segler neben uns an. Er kommt aus Warnemünde – ebenfalls auf der Flucht vor dem Trubel in den Heimatgewässern. Wir erkennen uns sofort als Gleichgesinnte. Zunächst fällt uns nur auf, dass er unser Boot sehr aufmerksam in Augenschein nimmt. Hier ein prüfender Blick, dort eine gezielte Frage. Dann lüftet er das Geheimnis: Er und seine Partnerin wollen sich bootsmässig vergrössern – und eine Malö steht auf ihrer Shortlist. Nur hatten sie bisher keine Gelegenheit, eine in echt zu sehen.

Die Einladung zur Roomtour folgt auf dem Fuss. Wir zeigen, erklären, diskutieren – Vor- und Nachteile, kleine Details, die man nur kennt, wenn man wirklich auf einem Boot lebt. Die Reaktion spricht für sich: Er ist sichtlich überrascht – positiv. Die Malö ist auf seiner Shortlist ein gutes Stück nach oben geklettert. Eine Flasche Weisswein, die für die Gemütlichkeit geöffnet wurde, sorgte dafür, dass aus einer kurzen Roomtour ein langer, schöner Abend wurde. Die beste Bestätigung dafür, dass die ungeplanten Begegnungen auf Reisen oft die schönsten sind.

Den nächsten Morgen begrüssen wir ohne Aufbruchspläne. Wismar wäre eine Option gewesen, Boltenhagen auch – aber manchmal braucht es keinen Grund weiterzuziehen, wenn man schon dort ist, wo es gut ist.

Der zweite Tag gehört ganz uns. Wir schlendern durch den Ort, entdecken Kühlungsborn in Ruhe zu Fuss, trinken Kaffee ohne auf die Uhr zu schauen und tun – nichts. Kein Ziel, kein Ankerplatz, kein Wetterfenster. Einfach da sein. Manchmal ist das die beste Etappe von allen.